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Außenhaltung

Die Außenhaltung stellt die natürlichste Haltungsform der Kaninchen dar. Die Kaninchen sind wie ihre wildlebenden Artgenossen Teil der Umwelt, können Geräusche, Gerüchte und Temperaturunterschiede direkt erfahren. Sie erleben damit oft einen höheren Anregungsgehalt als Kaninchen in Wohnungshaltung. Zudem bietet die Außenhaltung meist unkomplizierter die Möglichkeiten, dass die Tiere ihre Bedürfnisse (z.B. Buddeltrieb, Schlafen in Höhlen) ausleben können. Auch wenn sich Innen- und Außenhaltung in Bezug auf grundlegende Punkte (wie den Platzbedarf) nicht unterscheiden, gibt es natürlich ein paar Besonderheiten, die im Folgenden thematisiert werden sollen.

Wiesenfressendes Kaninche

 



Platzbedarf

Wie in anderen Haltungsformen gilt natürlich, dass auf ein ausreichend großes Platzangebot nicht verzichtet werden darf. Vor allem in den Wintermonaten hält Bewegung den Kreislauf in Schwung und beugt so Unterkühlungen vor. Für Kaninchen bis 3 kg Körpergewicht sollten mindestens 2 qm, für Kaninchen ab 3 kg Körpergewicht mindestens 3 qm ebenerdige Fläche pro Tier zur Verfügung stehen. Je mehr Platz, desto besser. Nur ein ausreichend großes Gehege bietet Platz für eine abwechslungsreiche Einrichtung.
 

Sicherheit

Die Außenhaltung von Kaninchen geht mit verschiedenen Gefahren einher, denen man mit geeigneten Maßnahmen begegnen sollte. Raubvögel, Füchse und Marder leben inzwischen auch in stark besiedelten Gebieten. Auch Katzen und Hunde können Kaninchen verletzen oder töten. Aber auch die Gefahr durch Straßenverkehr, Giftpflanzen und Diebstahl bei unzureichender Sicherung vor Ausbruch und Zugriff sollten Besitzern von Kaninchen in Außenhaltung bewusst sein. Diese Gefahren bestehen sowohl nachts als auch tagsüber. Ebenfalls soll hier die Sicherung vor extremen Wetterbedingungen thematisiert werden.
Eine umfassende Sicherung ist zwingend notwendig, um das Leben und die Gesundheit der Tiere zu schützen. Es sollte sowohl ein Eindringen der Raubtiere als auch ein Ausbrechen der Kaninchen verhindern. Die Faustregel gilt nach wie vor: Wo ein kleines Hühnerei durchpasst, kann auch ein Marder hineinschlüpfen.

Eine Sicherung zu den Seiten nach Oben ist ausschließlich dann ausreichend, wenn sie durch einen stabilen, punktverschweißten Volierendraht oder massives Holz stattfindet. Dünnes Holz, normaler Hasendraht oder einfache Netze halten keinem Fuchs oder Marderangriff stand. Da viele Raubtiere klettern können, ist kein Gehegeteil hoch genug, um zu verhindern, dass ein Raubtier eindringen kann, solange kein Dach vorhanden ist. Gittergehe sind zwar oft aus bissfestem Material gebaut, die Gitterabstände sind aber in aller Regel zu groß, um das Eindringen eines kleineren Raubtiers (wie Wiesel) zu verhindern.

Eine Gehegesicherung nach unten sollte immer berücksichtigen, dass Kaninchen tiefe Gänge buddeln können. Gleichzeitig sind Füchse und andere Raubtiere häufig ebenso ambitioniert, sich in Gehege hinein zu graben. Nur wenige Varianten schützen entsprechend ausreichend. Eine Möglichkeit ist, stabilen Volierendraht in der Erde auf einer Höhe von ca. 50 cm einzugraben und ebenfalls die Seiten in der Erde damit zu sichern. So bietet der Draht sowohl einen Buddel- als auch Bissschutz. Von einem ebenerdigen Verlegen von Draht ist stark abzuraten, da die Verletzungsgefahr für die Kaninchen immens hoch ist, wenn sie mit den Pfoten oder Krallen in den Maschen hängen bleiben. Dauerhaftere Lösungen können Betonfundamente darstellen. In jedem Fall darf kein Zwischenraum entstehen. Auch ein ebenerdig geschlossener Boden durch Steinplatten ist eine sichere und deutlich unaufwändigere Lösung. Hier sollten jedoch Ersatzalternativen zum Buddeln angeboten werden.

Giftpflanzen und weitere Gefahren (wie z.B. Absturzstellen, Teiche, Stromkabel) sollten für Kaninchen unzugänglich sein. Das Gehege sollte entsprechen außerhalb der Reichweite von Giftpflanzen gebaut und regelmäßig auf den Wuchs von Giftpflanzen untersucht werden.

Wir raten allen Haltern über geeignete Sicherungsmaßnahmen nachzudenken, die vor dem unbeabsichtigten Zugriff von Menschen schützen können. Nicht selten verschwinden Kaninchen aus Vorgärten, werden mitgenommen oder „befreit“. Auch unerlaubtes Füttern der Kaninchen kann einen großen Schaden anrichten. Die Folgen für den Halter und die Kaninchen sind nicht allen Personen bewusst, so dass der Halter hier Sorge zu tragen hat, dass seine Kaninchen gefahrlos leben können.


Der Schutz vor extremen Wetterbedingungen ist eine weitere Notwendigkeit. Kaninchen können zwar sehr niedrige Temperaturen vertragen, solange sie gesund sind, genug Platz und einen Partner zum Kuscheln zur Verfügung haben. Dennoch müssen ausreichend Schutzbereiche geschaffen werden, welche die Kaninchen vor Regen und Kälte schützen. Generell sollte eine genügend große Fläche des Geheges überdacht sein, so dass sich die Kaninchen jederzeit ausreichend bewegen und sich auch ausweichen können, ohne gezwungen zu sein in Regen oder Schnee zu sitzen. Die Mindestfläche orientiert sich an der jeweiligen Gruppengröße. Bei freistehenden Gehegen sollten mindestens zwei Seiten so geschlossen sein, dass dieser Bereich auch bei starkem Regen trocken bleibt. Zusätzliche (isolierte) Schutzhütten oder Ställe bieten Rückzug vor der Kälte. Sie sollten idealerweise so gebaut sein, dass sie leicht zu reinigen sind. In der Größe und Anzahl sollten sie allen Tieren Platz bieten. Auch ein Schutz vor Hitze ist zwingend notwendig, da Kaninchen heiße Temperaturen schlechter vertragen als Kälte. Neben der Wahl des richtigen Standorts im Schatten oder Halbschatten von Gebäuden oder Bäumen, können durch Überdachungen, Bambus- oder Schilfmatten künstliche Schattenbereiche geschaffen werden.

Beispiele


Artgerechte Einrichtung

Auch wenn die Außenhaltung höhere natürliche Anreize durch die Natur mitbringt, sollten Besitzer in Bezug auf die Einrichtung keine Mühen scheuen. Versteckmöglichkeiten, mehrere Ebenen, Tunnel, Aussichtsplattformen, Buddelbereiche machen das Außengehege erst zu einem Lebensraum für die Tiere. Die Futterstellen sollten für alle Tiere gut erreichbar, sauber und trocken sein. Schutzhütten, in Gehege integrierte Ställe oder Höhlen bieten den Kaninchen vor allem im Winter notwendige Rückzugsorte.
 

Geeignete Außenhaltungsformen

Gehege
Die beste Kombination aller Ansprüche an eine Außenhaltung beinhaltet ein Gehege. Schutzbereiche und eine ausreichend große Überdachung bieten den Kaninchen Rückzugsmöglichkeiten und trockene Plätze. Gleichzeitig können die Kaninchen ihre Umwelt beobachten, direktes Sonnenlicht genießen oder im Winter im Schnee toben. Damit das Gehege bequem gereinigt werden kann und Besitzer sich auch zu den Schlechtwetterjahreszeiten gerne bei den Kaninchen aufhalten, empfiehlt sich das Gehege so hoch zu bauen, dass es aufrecht begehbar ist. Neben klassischen rechteckigen Gehegen ist eine materialsparsame Variante das Pyramidengehege. Solche Gehege bieten ausreichend Platz für eine abwechslungsreiche Einrichtung. Sie sind der ideale Kompromiss aus den Bedürfnissen der Kaninchen und notwendiger Sicherheit. In der Regel können wirklich artgerechte Gehege leider nicht fertig erworben werden. Unter dem Bereich *Gehegebau* findet ihr jedoch nützliche Hinweise für Handwerker oder Selbstbauer.

Gartenhütte
Eine weitere Möglichkeit der Außenhaltung ist auch die Unterbringung in einem selbstgebauten oder handelsüblichen Gartenhaus aus Holz mit Fenstern. Ein solches Gartenhaus ist einfach an die Bedürfnisse von Kaninchen anzupassen. Es bietet auch geschützte Aufenthaltsmöglichkeit für den Besitzer und häufig Stauraum für alle Kaninchenutensilien. Zu Bedenken ist dabei, dass Kaninchen genauso wie Menschen zur Bildung lebensnotwendiger Vitamine den Kontakt zur direkten Sonne benötigen. Eine ausschließliche Unterbringung im Gartenhaus ist deshalb nicht empfehlenswert, wenn die Kaninchen nicht zusätzlicher Auslauf im Freien ermöglicht wird. Ein Geräteschuppen aus Metall oder die dauerhafte Unterbringung in der Garage ist nicht zu empfehlen, da hier hohe Temperaturen bzw. eine unzureichende Licht- und Luftzufuhr Gefahren für die Gesundheit der Kaninchen darstellen.

Gartenhaus Gehege

 



Ungeeignete Außenhaltungsformen

Stall- oder Buchtenhaltung
Eine nach wie vor gängige Form der Außenhaltung ist die Stall oder Buchtenhaltung. Dabei steht den Tieren in der Regel ein 1-2-stöckiger Holzstall oder mehrstöckige Buchtenanlagen zur Verfügung, in dem sie den Großteil ihres Lebens verbringen. Diese Haltungsform birgt schwerwiegende Risiken für die Gesundheit der Kaninchen. Die Größe des Stalls oder der Buchten ist oft völlig unzureichend. Der Bewegungsapparat wird nicht ausreichend belastet und die Muskulatur dieser bewegungsfreudigen Tieres verkümmert. Die Einrichtung ist oft zu reduziert, um Kaninchen die nötige Beschäftigung zu bieten. Häufig Folgen sind unerwünschtes Verhalten (wie Benagen des Innenmaterials des Stalls), Aggression gegenüber Artgenossen und Besitzern oder Verhaltensstörungen (z.B. Gitterrütteln oder autoaggressives Verhalten). Durch Stauhitze kann es im Sommer zu extrem hohen Temperaturen im Inneren des Stalls kommen. Die Gefahr eines Tods durch Hitzschlag besteht. Im Winter steht nicht genug Bewegungsmöglichkeit zur Verfügung, damit die Kaninchen ihren Kreislauf in Schwung halten können. Die Gefahr eines Tods durch Erfrieren besteht. Wir raten aus diesen Gründen von einer Haltung in Ställen oder Buchten ab, solange diese nicht ausreichend Platz für mindestens zwei Kaninchen sowie eine abwechslungsreiche Einrichtung bieten und ausreichend gegen extreme Temperaturen geschützt sind.

Stall plus mobiler Auslauf
Eine ebenfalls gängige Haltungsform ist die Haltung im Stall plus Auslauf. Die Grundidee ist, dass die Kaninchen so selbst entscheiden können, wann sie sich in den Stall zurückziehen wollen und wann die Zeit im Auslauf verbringen. Diese Kombination ist ideal, solange sowohl Gehege als auch Stall jederzeit frei zugänglich sind und ausreichend gesichert wurden, so dass sich die Kaninchen 24 Stunden frei und gefahrlos bewegen können. Handelsübliche Ställe müssen in der Regel nachgerüstet werden, damit sie tatsächlich raubtiersicher sind. Ein Auslauf im Gittergehege bietet weder Schutz zu den Seiten (aufgrund der zu groben Gitterbreite), in Richtung Boden noch nach Oben. Das ist auch zu berücksichtigen, wenn sich die Kaninchen tagsüber im Auslauf aufhalten. Ausschließlich bei Auslauf unter Aufsicht dürfen entsprechende Gittergehege oder andere Absperrungen genutzt werden.

Tagsüber im Auslauf und nachts im Stall
Eine Haltung, bei der Kaninchen nur tagsüber Zugang zum Auslauf haben und nachts in den Stall gesperrt werden lehnen wir ab. Kaninchen sind wechselaktive Tiere, die sowohl tags- als auch nachts Aktiv- und Ruhephasen haben. Vor allem in den heißeren Monaten verlagert sich die Aktivität häufig auf die Dämmerungs- und Nachtzeit. Da die allermeisten Ställe den Kaninchen keinen ausreichenden Platz bieten (mind. 2 qm pro Tier), beraubt man ihnen durch diese Haltungsform deutlich an Lebensqualität. Umgekehrt sollten Kaninchen immer Zugang zu allen Wasser- und Futterstellen, Versteckmöglichkeiten und Schattenplätzen haben. Ein Kaninchen also tagsüber in einem Gehege einzusperren, das diese Punkte nicht erfüllt, ist nicht nur stressreich sondern auch schnell tödlich.

Freilandhaltung und Haltung in offenen Gehegen
Die Freilandhaltung oder Haltung in sehr großflächigen, nach oben offenen Gehegen bietet viele Vorteile für Besitzer und Kaninchen. Sie sind oft deutlich kosten- und materialunaufwändiger als gesicherte Gehege und entspricht den Bedürfnissen der Kaninchen nach viel Auslauf und natürlichen Buddelmöglichkeiten. Ein Schutz erfolgt häufig ausschließlich durch Gartenmauern, Zäune, Gehegeteile oder Elektrozäune zu den Seiten. In manchen Fällen werden zusätzlich Netze über den Auslauf gespannt. Trotz einiger Vorteile sprechen uns dennoch gegen diese Haltungsform aus. Sie geht mit einem deutlichen Risiko einher, dass alle oder einzelne Kaninchen durch Fressfeinde verletzt oder getötet werden können. Aus unserer Sicht muss eine artgerechte Außenhaltungsform sowohl den Bedürfnissen der Kaninchen als auch dem Schutz ihres Lebens entsprechen.

Können alle Kaninchen in Außenhaltung leben?

Für die allermeisten Kaninchen ist die Außenhaltung problemlos möglich, sofern beim Gehegebau die Bedürfnisse grundsätzlich beachtet wurden. Es gibt jedoch einige Kaninchengruppen, bei der eine Außenhaltung nur bedingt sinnvoll ist.

Chronisch kranke Tiere wie Schnupfer oder EC-Träger leiden häufiger unter Umwelteinflüssen (wie extremen Temperaturen) und benötigen oft eine engmaschigere Versorgung. Leiden die Kaninchen vermehrt unter Durchfall oder können sich nur eingeschränkt putzen, besteht im Sommer ein stark erhöhtes Risiko für Fliegenmadenbefall. Eine Innenhaltung ist hier in den meisten Fällen die bessere Alternative. Sollte dies nicht möglich sein, ist es zwingend notwendig ausreichend und gut zugängliche Schutz- und Rückzugsbereiche zu schaffen. Beispielsweise eignet sich eine Gehege- und Gartenhauskombination hier besser als ein freistehendes Gehege. Zudem sollte das Gehege so strukturiert sein, dass ein Zugriff im Falle von regelmäßigen Behandlungen erleichtert wird. Eine Nachrüstung mit Fliegennetzen und regelmäßige Hygienemaßnahmen können Madenbefall zwar nicht restlos verhindern, jedoch deutlich reduzieren.

Alte Kaninchen zeigen aufgrund des verlangsamten Stoffwechsels häufiger Probleme beim Fellwechsel und beim Ansetzen von Winterspeck. Durch ihre geringere Bewegungsfreude, sind sie zudem anfälliger für Erfrierungen bei niedrigen Temperaturen. Zeigen Kaninchen deutliche Alterserscheinungen, kann es sinnvoll sein, sie rechtzeitig zusammen mit einem Artgenossen in die Innenhaltung umzusiedeln.

EC-Tier

Trächtige Kaninchenweibchen und sehr junge Kaninchen sollten idealerweise vor dem Winter in die Innenhaltung umziehen. Steht der Wurf schon kurz bevor oder sind die Jungen bereits geboren, ist auf ausreichenden Schutz und einfache Erreichbarkeit von Futter und Wasser für die Mutter zu achten. Spätestens wenn die Jungtiere mobiler werden, bergen viele Außengehege Gefahren (z.B. Absturzstellen), was oft den Umzug in gesicherte Innenhaltung notwendig macht.

Bestimmte Zuchtrassen wie Rexkaninchen oder Angorakaninchen haben durch sehr kurzes Fell oder fehlende Fellunterwolle nicht ausreichend Schutz gegen sehr niedrige Temperaturen und Nässe. Eine Außenhaltung dieser Rassen ist nicht komplett ausgeschlossen, sollte jedoch mit besonderen Vorkehrungen einhergehen. Eine Komplettüberdachung des Geheges sowie isolierende Bodenbeläge können den Wärmehaushalt der Kaninchen zusätzlich unterstützen. Bei Angorakaninchen sollte das Fell im Winter nur geschnitten und nicht rasiert werden. Um andersherum im Sommer Hygieneproblemen vorzubeugen, sollte ihr Fell kurz gehalten werden.

Da es bei allen Kaninchen zu akuten Gesundheitsproblemen kommen kann, sollte auch bei ganzjähriger Außenhaltung dennoch immer eine Möglichkeit bestehen die Tiere auch vorübergehend artgerecht in Innenhaltung unterzubringen.

 

 

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